L e b e n s u m w e g e  -  E r f u r t

Die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

... aus den wertvollen Erfahrungen unserer Gruppenmitglieder


Annette erzählt:
"Ich habe mir schöne Zimmerdekorationen besorgt, also lachenden Sonnen für Frühling und Sommer, für den Herbst lachende Drachen - wie man sie als Kind selbst gebastelt hat - und für den Winter einen lachenden Schneemann.
An meiner Kühlschranktür klebt ein lachender Smiley und über dem Spülbecken ein Magnet-Plüschtier, das lacht.
Ich hatte mal gehört, dass sowas die Stimmung aufhellt.
Außerdem weiß ich, dass Lachen gut tut, also versuche ich, die lachenden Gesichter mit einem Lächeln zu bedenken, auch wenn dieses meist sehr zaghaft ausfällt.
Mittendrin hängt auch ein Zettel, den meine Nichte nach einem Besuch bei mir mal geschrieben hatte, auf dem steht: „Vielen Dank für alles! Ich habe Dich gaaaanz dolle lieb!“ - und ich bemerke, dass mir das alles gut tut.
Ein weiteres Phänomen, das mir geholfen hat, ist irgendwie aus meiner Erklärungsnot entstanden.
Nach dem Tod meines Vaters wurde ich von uneingeweihten Personen befragt: „Wie geht es Dir?“ Zuerst wollte ich eigentlich antworten: „Alles Sch...!“, dachte dann aber, „musst ja nicht dieses Wort benutzen“ und machte - „Alles schick!“ daraus.
Im Laufe der Zeit verwendete ich dann öfter diesen Ersatzbegriff und habe neulich beim Nachdenken, woher der Begriff kam festgestellt, dass mir diese Schutzbehauptung gut getan hat, weil sie ein angenehmes Gefühl hinterlässt und die weiteren Fragen der anderen abblockt. (… und „schick“ ist in diesem Zusammenhang so falsch, dass es schon wieder fast richtig ist).
Und wenn mir jemand gesagt hätte, ich soll: "Alles schick!" statt: "Alles Sch...!" sagen, den hätte ich ausgelacht und an die Wirkung sowieso nicht geglaubt. Aber genützt hat es mir trotzdem".


René schreibt:
"Ich habe gelernt, dass es trotz des Missmutes und der Angst in schwierigen Situationen hilft, sich an vertraute Personen zu wenden und sich zu offenbaren, wie es um die eigenen Befindlichkeiten steht. Sicher ist es schwer, sich durchzuringen, andere Personen mit seiner Schwermut zu „belasten“, aber geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid. Da Angehörige oder vertraute Personen eine „normale“ Sicht auf die Dinge haben, können solche „Einstiegsgespräche“ erst einmal die schwerste Last nehmen. In solchen Fällen ist definitiv Reden Gold und Schweigen nicht einmal Silber.Zur Aktivierung des Kreislaufes kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass Wechselduschen am Morgen durchaus hilfreich sind um in Schwung zu kommen. Das vertreibt den Missmut und hilft, besser in den Tag zu starten. Dabei muss man sich gar nicht stählen, sondern es reicht zum Einstieg, einfach erst einmal nach dem warmen Strahl das Thermostat kurz in Richtung blau zu drehen und mit den Beinen und Armen zu beginnen. Dann darf man sich wieder mit warmen Wasser belohnen und danach noch einmal etwas kälter. Nach ungefähr einer Woche macht das gar nichts mehr aus und das kühle Nass rinnt über Brust und Rücken. Ganz nebenbei stärkt das auch das Abwehrvermögen des Körpers gegen Infekte.
Auch solche banalen Dinge wie Körperhaltung und -sprache helfen die Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein zu stärken. Aufrechte Haltung und positiver Gesichtsausdruck, so schwer es auch fallen mag, geben das Gefühl von Optimismus und Stärke zurück. Auch schon deshalb, weil die Mitmenschen ganz anders reagieren. Dazu gehören auch ein fester Händedruck und ein forscher Gang. Mir hilft das."


Karin empfiehlt:
"Aus eigenen Erfahrungen kann ich für Betroffene und Angehörigeden immer wieder den Besuch einer Selbsthilfeorganisation empfehlen. Haben Sie den Mut, sich dort zu informieren. Ob eine Heilung der Krankheit gelingt, kann ich nicht sagen.
Jedoch bekommt man hier Unterstützung, Erfahrungsaustausch und hat nicht mehr das Gefühl, damit alleingelassen zu sein.
Mit der Erkrankungt umgehen zu lernen ist möglich.
Ich fand diesen Weg und mir geht es gut. Mir helfen z.B. auch die Entspannung durch Musik, Spaziergänge an frischer Luft, ein schöner Duft und auch ein Genuss - wie z.b. von Schokolade, kann mir die Stimmung heben.
Seit der 2010 erfolgten Eröffnung der Erfurter Niederlassung einer Selbsthilfeorganisation - auf die ich durch Informationen aus dem Internet aufmerksam wurde - möchte ich diese Unterstützung nicht mehr missen. Ich lernte andere Betroffene kennen und fand auch Freunde unter ihnen.
Vielleicht ist es auch ein Weg führ Sie!
Seien sie herzlich Willkommen".


Gerd meint:
"Tolle Sache mit den Tipps wie jeder versucht besser klar zu kommen"!
Meine Vorschläge dazu sind:

  • zu versuchen alles das, was mir nicht past zu klären, damit mein Kopf wieder frei ist
  • Hobbys haben und die auch pflegen (bei mir sind ist es Natur, mein Enkel, Sport und die Fotografie)
  • einige Bekannte und Freunde haben, um sich zu treffen und gemeinsam was zu unternehmen
  • eine Tätigkeit - sprich Aufgaben zu haben, um auch mal Erfolge zu erleben

So! Das waren von mir ein paar Sachen, die für mich wichtig sind und mir - mal mehr und mal weniger - weiterhelfen".


Dagmars Erleben:
"Hallo Ihr Lieben, als ich mich das erste mal so hundeelend gefühlt habe, bin ich zu meiner Hausärztin.
Sie lies mich "abblitzen", also hab ich selber "weitergewurstelt".
Dann wechselte ich den Arzt, der hatte Verständnis, da er auch meine häusliche Situation kannte.
Ich bekam vorrübergehend Beruhigungsmittel, Krankschreibung und Unterstützung beim Reha- Antrag. In der Reha hatte ich viel Zeit für mich. Das tat mir so gut, dass ich mir weiterhin viel Zeit nehme: zum Rad fahren, Schwimmen, Gassi gehen, lesen, Blumen züchten ...
Liebe Grüße"


Christoph
informiert uns mit einem "Ausflug" in die  Bio- Chemie und der Betrachtung von Vitamin D und dessen Wirkung und Wichtigkeit im menschlichen Körper.
"Sonnenlicht sorgt für die Bildung von Vitamin- D in der Haut. dieses wiederum wird zur Bildung von l-Tryptophan benötigt und daraus generiert der Körper Serotonin - das „Glückshormon“
Gehen Sie sooft wie möglich nach draußen und Sonne tanken, auch an bewölkten Tagen, dass wird ihnen gut tun. Eine mir bekannte Hausärztin testet seit vielen Jahren ihre Patienten auf Vitamin-D-Mangel und stellte erschrocken fest, dass fast 90% der Leute darunter leiden.
Die Gruppenmitglieder berichten immer wieder, dass sie sich nach ausgiebiger Bewegung an der frischen Luft - egal, ob gemächlich beim Spaziergang oder bei sportlichen Aktivitäten - wie neugeboren, seelisch frei und innerlich „aufgeräumt“ - also viel besser fühlen.
Der „übelste Gegner“ dieser Aktivitäten ist und bleibt der innere Schweinehund.
Wenn man den schon nicht frei- seine Wege ziehen lassen kann, nimmt man ihn eben mit nach draußen an die frische Luft...
Gerade mit Beginn der dunkleren Jahreszeit sollten wir soviel Sonnenlicht wie möglich tanken, um wenigstens ein gewisses Depot an Vitamin- D anzulegen.
Obwohl es sich nicht wirklich langfristig speichern lässt, hilft es durchaus."


Olaf bekennt
Mir half und hilft mein christlicher Glaube, den ich in einer stabilen Ehe mit meiner lieben und verständnisvollen Frau und in gutem Kontakt zu meiner Kirchgemeinde lebe.
Durch ihn verstehe ich, das alle Menschen - so wie es in der Bibel steht: "... einzigartig und wunderbar gemacht ..." sind.
Alle Menschen - gerade auch Kranke und Behinderte - sind mit ihrem Potential etwas ganz Besonderes, wertvoll, wichtig und unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
So wie ich wurden aufgrund ihrer Erkrankung viele Menschen vom Arbeitsmarkt und unserer Gesellschaft "aussortiert", da wir potentiellen Arbeitgebern keine kontinuierliche Leistungsfähigkeit mehr bieten konnten und weil in unserer Gesellschaft Menschen mit dem Krankheitsbild: "Depressionen" noch immer abgewertet, ausgegrenzt  und stigmatisierend behandelt werden.
Außerdem wollten viele "Freunde" ??? nun nichts mehr von mir wissen, vor allem diejenigen, die sich menschlich überhaupt nicht für mich interessierten und mich nur auf die Summe meiner Fähigkeiten und meiner Verfügbarkeit reduzierten:

                    "Kannst Du mal..."?
                    "Hast Du mal..."?
                    "Machst Du mal..."?

Mit meiner Erkrankung an Depressionen lernte ich, das in Hinsicht "Freunde" Weniger wirklich Mehr ist, prüfte Freundschaften und Beziehungen kritisch in einen langwierigen Prozess und gab die zu den Menschen auf, die keinerlei menschliches Interesse an mir hatten.
Doch das Loch - in das ich zu fallen glaubte - tat sich garnicht erst auf, denn nun verblieben die wirklich echten, tiefgründigen und tragfähigen Freundschaften und Beziehungen.
Meine einzigartige Freudschaft zu Chris z.B., der mir seit fast 4 Jahrzehnten !!! unablässig, treu und einfühlsam zur Seite steht und regelmäßig jeden Tag um ca. 20 Uhr anruft, um zu fragen wie mein Tag verlaufen ist und mir von seinem erzählt.
Neben dieser Freudschaft habe ich nur noch wenige, wirklich tiefgründige Beziehungen, aber alles sind echt, zuverlässlich und tragfähig.
Wen es interessiert und wer mehr über mich und wie ich zur Selbsthilfe kam erfahren möchte, der kann hier mit Klick auf: ÜBER MICH weiterlesen.


Michael Ende
- der weltbekannten Schriftstellers und Autor eines uns fast allen bekannten Kinderbuches teilt uns durch die Figur des alte Straßenkehrer in seinem Buches eine lebenswichtige Weisheit mit, in der für uns alle ein wichtiger Schlüssel liegt:

Er verrät seiner kleinen Freundin sein Geheimnis:
    "Manchmal habe ich eine sehr lange Straße vor mir.
    Ich denke, die ist so schrecklich lang; das kann ich niemals schaffen.
    Und dann fange ich an, mich zu eilen und ich eile mich immer mehr.
    Jedes Mal, wenn ich aufblicke, sehe ich, dass es gar nicht weniger wird,
    was noch vor mir liegt.
    Und ich strenge mich noch mehr an, ich kriege es mit der Angst
    und zum Schluss bin ich ganz außer Atem und kann nicht mehr.
    Und die Straße liegt immer noch vor mir.


So darf ich es nicht machen!

    Ich darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?
    Ich muss nur
...

  • an den nächsten Schritt denken,
  • an den nächsten Atemzug
  • an den nächsten Besenstrich.
  • und immer wieder nur an den nächsten.


Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann mache ich meine Sache gut und so soll es sein.
Auf einmal merke ich, dass ich Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht habe.
Ich habe gar nicht gemerkt wie und ich bin nicht außer Atem.
Das ist wichtig"!

(Haben Sie die Geschichte erkannt? Sie stammt aus „MOMO“)


Interview der Erfurter Straßenzeitung: "Brücke" Nr. 108
mit Olaf Lindenlaub, Gesprächsgruppenleiter der SHG "Lebensumwege-Erfurt"

In diesem interessanten Interview (vom 29.08.2016) erfahren Sie mehr über die eigene Erkrankung des Interviewten, über dessen Arbeit in der Depressionsselbsthilfe, seine Erfahrungen und erhalten Tipps für Angehörige und Betroffene mit einer Erkrankung an Depressionen.
Lesen Sie mit Klick auf das Titelbild den 4seitigen Interview- Text*, der auch Ihnen wertvolle Hinweise geben kann.

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