L e b e n s u m w e g e  -  E r f u r t

Die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen

... berichte ich hier, um Betroffenen und Angehörigen mit meinen Aussagen/Erfahrungen und Erfolgen wieder Mut zu machen, den Weg zurück in ein lebenswertes und selbstbestimmtes Leben zu finden.


zuerst ein paar Daten zu meiner Person

  • geboren: 1963
  • mit 16 Jahren ernste Suizidabsichten, doch dann Abkehr davon und Hinwendung zum christlichen Glauben
  • in 1. Ehe verheiratet seit 08.1988
  • 2 Kinder/Mädchen: geb. 1985 und 1992
  • Scheidung der 1. Ehe 1997
  • allein erziehend
  • langzeitarbeitslos (insgesamt ununterbrochen über 10 Jahre)
  • Um- und Ausbau eines ererbten Eigenheims
  • 7 jährige, tägliche Pflege meiner Eltern (Vater erkrankt an Parkinson - gest. 2000, Mutter erkrankt an Depressionen, Brustkrebs, Diabetes und Erblindet - gest. 2006)
  • 04.2003 Kennen lernen meiner 2. Frau über eine christliche Partnervermittlung
  • 11.2003 Verlobung
  • April 2004 standesamtliche - und August 2004 kirchliche Trauung
  • Aufbau der neuen, beruflichen Existenz meiner Frau als Hebamme hier in Thüringen
  • 2004 - Gründung m/einer ICH- AG als Computerservice- Unternhemen
  • 2006 - erste konkrete Diagnose - Erkrankung an Depressionen
  • 2006 - Aufgabe der Selbstständigkeit aus gesundheitlichen Gründen
  • Behandlung und medikamentöse Einstellung ambulant und später auch klinisch
  • 2008 Mitbegründer der Selbsthilfegruppe "Seelenaufgang" für an Depressionen erkrankte Menschen, die sich dann in den Verein "Lebensumwege-e.V. Psychosoziale Selbsthilfe Thüringen" umwandelte
  • 2010 Rentenantrag wegen voller Erwerbsminderung gestellt und Rente befristet bis 2012 bewilligt
  • 11.08.2010 Gründung der 4. von insgesamt 5 Vereinsniederlassungen in Thüringen - in Erfurt
  • 2011 Abgabe meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender wegen Überforderung
  • 2012 Aberkennung des Rentenanspruches und Beginn des Widerspruchs- und Klageverfahrens
  • 12.2013 Auflösung des Vereinsstatus von "Lebensumwege-e.V. Psychosoziale Selbsthilfe Thüringen" und Übergang der bisherigen Vereinsniederlassungen in eigenständige Selbsthilfegruppen
  • 01.01.2014 Neugründung der Erfurter Selbsthilfegruppe: "Lebensumweg-Erfurt" und Einrichtung einer Internetpräsenz
  • 2015 1. Gerichtsverhandlung zu meinem Rentenverfahren in 1. Instanz am Sozialgericht Nordhausen
  • 2015 2. Gerichtsverhandlung zu meinem Rentenverfahren in 2. Instanz am Landessozialgericht Erfurt
  • Teilerfolg erziehlt und Wieder-/Weiterbewilligung der Rente wg. Voller Erwerbsminderung bis 2017 erreicht
  • vorläufige Weiterbewilligung meiner Rente bis 20120


und das bin ich:

Olaf Lindenlaub, ein an Depressionen erkrankter, aber trotzdem glücklicher Mensch, der sein Leben wieder neu - mit viel Hilfe und Unterstützung - annehmen und lieben lernen konnte/kann.

Dabei halfen/helfen mir massiv:

  • mein christlicher Glaube, an dem ich trotz aller Schwierigkeiten festhielt
  • die echte, tiefe, tragfähige, verständnisvolle und zuverlässige Liebe und das umfassende Verständnis meiner ebenfalls gläubigen Frau
  • einiger wenige, aber echte und verlässliche Freunde
  • die Leute unserer Selbsthilfegruppe
  • aber auch die Aufgabe des Gesprächsgruppenleiters und Webmasters der SHG Lebensumwege-Erfurt, in der ich wieder neu Sinn und Erfüllung in meinem Leben finden durfte.

Mit der Diagnose: "Depressionen" bekamen meine von mir selbst als nicht mehr normal erlebten Befindlichkeiten in meinem Gefühlsleben eine Erklärung, wobei das eigene Verständnis noch längst nicht soweit war und erst viel später hinterher kam.

Dann begann auch bei mir - wie bei fast allen anderen, die eine ähnliche Diagnose bekommen - der aussichtslose (wenn ich das da nur schon gewusst hätte) Kampf und Widerstand gegen die Erkrankung, die ich glaubte mit viel Willenskraft und "Zusammenreißen" wieder in den Griff bekommen zu können.

Lange Zeit und viele Fehlversuche später musste ich erkennen, das ich mich mit dieser Erkrankung arrangieren und nicht gegen sie ankämpfen muss.

Doch wie macht man das, wo fängt man an, wo nimmt man die Kraft dazu her, die doch eigentlich fehlt?

Viele Fragen doch Anfangs keine Antworten und nur Verzweiflung und Hilflosigkeit.

In der Verzweiflung meiner Erkrankung zeigte mir der Gott - an dem ich glaube - Menschen, die ebenso von einer psychischen Erkrankung an Depressionen betroffen waren wie ich und ich bemerkte, das es so Viele sind, die - jeder einzeln für sich - um Bewältigung dieser Betroffenheit kämpfen, und außerdem auch so viele Angehörige von Betroffenen, die ebenfalls mit ihren Nöten alleine dastehen.

Gott der Herr gibt mir die richtigen Worte, damit ich erschöpfte Menschen zur rechten Zeit ermutigen kann ...


Als ich die nebestehende, Postkarte bekam, wurde mir bewusst, dass - obwohl von vielen Freunden(?), der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt AUSSORTIERT - ich trotzdem noch zu etwas nützlich sein und eine wichtige und erfüllende Aufgabe im Leben finden kann.

Ich bin sehr dankbar dafür, trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen diese besondere Aufgabe ehrenamtlich ausüben und damit denen weiter helfen zu können, die bisher damit ebenso allein und hilflos dastehen wie ich zuvor.

<- (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Der alte Brunnen

Der alte Brunnen spendet leise,
sein Wasser täglich gleicherweise
Wie segensreich ist doch solch Leben:
Nur immer geben, immer geben!

Mein Leben sollt dem Brunnen gleichen,
ich leb, um andern darzureichen.
Doch geben, geben alle Tage …
„Sag Brunnen wird’s dir nie zur Plage?“

Da sagt er mir als Jochgeselle*:
„Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu, ich geb nur weiter,
drum klingt mein Plätschern froh und heiter.“

Nun leb ich nach des Brunnens Weise,
zieh stille meine Segenskreise.
Was mir von Christo** fließt ins Leben,
das kann ich mühlos weitergeben.

A. Kleemann

* gemeint ist: ein "im Dienst Stehender"
** lateinisch für Christus

Sicher fragt sich macher, wie ich diese verantwortungsvollen Aufgaben - zum einen als Gesprächsgruppenleiter der SHG Lebensumwege Erfurt und Webmaster ihrer/dieser Homepage - trotz meiner gesundheitlichen Einschränkungen leisten kann, woher meine Kraft, Energie und Durchhaltevermögen kommt.

Die Antwort darauf fand ich/bekommen Sie im nebenstehenden Gedicht.

Es wurde mir zum Leitfaden für meine Arbeit und es ist tatsächlich so, das ich "bekomme" was ich brauche und zutrifft:

"Ich bin ja Brunnen nur, nicht Quelle!
Mir fließt es zu, ich geb nur weiter..."



Wie in der obigen Chronologie mit dem Eintrag: "2006 - erste konkrete Diagnose - Erkrankung an Depressionen" dargestellt - begann ab da mein Weg mit einem "Lebenspartner" der sich irgendwann ungefragt dazugesellt hatte und nicht mehr weichen wollte.

Carl Gustav Jung - ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie - formulierte die ganz besonders bedenkenswerten Worte:

                                                                                        "Die Depression ist eine schwarze Dame.
                                                                           Wenn sie an deine Tür klopft,
                                                                           bitte sie an deinen Tisch und frage sie,
                                                                           was sie dir zu sagen hat".

Bei mir dauerte es

  • sehr lange, die "schwarze Dame" der Depression "an meinen Tisch zu bitten"
  • dann noch länger, sie zu fragen, "was sie mir zu sagen hat"
  • und noch länger, bis ich verstand, was sie mir sagte

Doch irgendwann begann ich zu begreifen, das ich nicht wieder - aber auch nicht weiter - so leben konnte und ich mich zuerst der Herausforderung stellen muß, mich wieder "neu Kennen Lernen" zu wollen.

Klingt völlig Idiotisch oder? - ich kenne mich doch (m/)ein ganzes Leben lang!

Ja und Nein, denn diese Erkrankung hat einen anderen Menschen aus mir gemacht, auch wenn ich äußerlich Derselbe blieb wie zuvor.

Doch meine Seele und damit meine ganze Gefühlswelt hatten sich völlig verändert und fühlten sich einfach nur noch chaotisch an.

Eine recht trostlose Ausgangsbilanz, aber eine klare Notwendigkeit, etwas ändern zu müssen.

Grenzen und Möglichkeiten mussten ebenso neu definiert, wie die Ordnung im sozialen Umfeld überprüft - und Beziehungskonstellationen neu überdacht und definiert werden.

Viele "Freunde" kamen mit mir plötzlich nicht mehr zu Recht, da ich ihre Wünsche:

"Kannst Du mal..."?

"Hast Du mal..."?

"Machst Du mal..."?

nicht mehr so erfüllen konnte, wie sie sich das vorgestellt und in der Vergangenheit immer auch so erlebt hatten.

Ich lernte, mit gutem Gewissen "Nein" zu sagen - es sagen zu müssen, weil ich zu einem "Ja" oft nicht mehr in der Lage war.

Diese Tatsache "mistete" die Beziehungen gründlich aus und trennte die "Spreu vom Weizen", wobei nur wenige, aber wirklich echte und gute Freunde übrig blieben.

Mit diesen aktiv herbeigeführten Veränderungen, aber vor allem mit der Hilfe und Unterstützung meiner ebenfalls gläubigen Frau, schafften wir den Weg heraus aus dem tiefsten Tal der Depression, wobei es uns bedingt gelang, die "schwarze Dame" der Depression "an meinen Tisch zu bitten" und sie immer öfter zu fragen, "was sie mir zu sagen hat"

Diese "schwarze Dame" spricht eine klare und verständliche Sprache, wenn man gelernt hat, ihr zuzuhören und sich danach richtet, wenn sie auf notwendige Veränderungen hinweist.

Als ich begann, Begrenzungen und Beschränkungen neu zu definieren, weil mir immer klarer und deutlicher wurde, das mein/unser Leben eine neue Qualität annehmen muss, begann mein Weg zurück in ein wieder selbstbestimmtes - aber in vielen Eigenschaften völlig anderes Leben, als ich es zuvor gelebt hatte.

Doch so gelang es mir, wieder glücklich werden und ein erfülltes Leben gestalten zu können.

Wie das ganz praktisch aussieht, verstand ich anfangs nur bedingt, fand aber mit Hilfe anderer Betroffenen einen Weg, mein Manko durch Krankheit als Potential zu begreifen, das ich in die Arbeit mit ebenfalls Betroffenen bzw. mit deren Angehörigen einbringen - aber mindestens auch genausoviel von ihnen dazulernen kann.

In dieser Erkenntnis wurde ich Mitbegründer eine Selbsthilfeorganisation und leite heute die Selbsthilfegruppe für an Depressionen erkrankte Menschen und ihre Angehörigen die SHG Lebensumwege-Erfurt

Hier zählt, dass ich ein Erfahrungskapital besitze, das ich sowohl in den Jahren meiner Selbsthilfearbeit sammeln - als auch durch umfassende, eigene Erfahrungen erwerben konnte.

Dieses Wissen kann ich nun - gewinnbringend und hilfreich für andere Depressiv Erkrankte - aber auch für ihre Angehörigen - einbringen und weitergeben.

Die Einstellung zu meiner Erkrankung hat sich mit der Chance in der Depressions- Selbsthilfearbeit tätig zu werden, grundsätzlich geändert.

Diese Erkrankung brachte mir den Gewinn, viele wunderbare Menschen kennen lernen zu dürfen, die "Leidgereift" eine ganz andere - um vieles tiefgründigere - Einstellung zum Leben bekommen haben.

Dieses Leben - in das wir uns mit viel Kraft und Willen zurückgekämpft haben - leben wir nun sehr viel bewusster und tiefgründiger, nehmen uns mehr Zeit für uns selbst und füreinander.

Nebenbei zeigte uns der baulich bedingte Empangsausfall unserer Satellitenschüssel, dass es auch ohne Fernsehgeräte geht und wir schafften sie ab.
Damit gewannen wir wertvolle Zeit für ein immer besser werdendes Miteinander und "verbannten" nervenaufreibendes "Zappen" mit der Fernbedienung ebenso, wie den ganzen Ärger mit ständigen Werbeunterbrechungen aus unserem Leben.
Man war ja doch immer nur am Umschalten auf einen anderen Kanal, wo zeitgleich ja auch nur Werbung lief, dann wurde wieder umgeschalten usw., usf.

Schlussendlich erwischten ich mich oft beim "Festgucken" in drei oder mehr Sendungen gleichzeitig, wovon ich aber von keiner wirklich einen Zusammenhang mitbekam.

Außerdem habe ich mich - auch in meiner Veranlagung der Hochsensibilität (unter Depressiv durch -> Hochsensibilität erfahren Sie mehr dazu) - psychisch, konzentrativ und in meiner Aufnahmefähigkeit ständig überfordert und mir viel zu viel Mist "reingezogen".
Nun haben wir das Fernsehen im üblichen Sinne abgeschafft und sehen unsere Sendungen nach gezielter, gemeinsamer Vorauswahl übers Internet an.
Das macht viel mehr Freude und es bleibt so viel mehr wertvolle Zeit füreinander übrig.
Rundfunk, Internet und Presse informieren völlig ausreichend über das aktuelle Tagesgeschehen und wenn wir wollen, können wir ja nach dem, was uns interessiert auch "googeln".

Auch den Blick für alles Schöne, so auch für die Schönheiten der Natur habe ich zurück bekommen und kann mich - auch oder gerade in einem Stimmungstief - wieder daran erfreuen.

Die Aufgaben innerhalb meiner Selbsthilfearbeit, die ich mit meinen eingeschränkten Kräften und auch nur durch und mit der Unterstützung meiner Frau und aller Gruppenmitglieder leisten kann, gibt meinem Leben wieder Sinn und Erfüllung in der Gewissheit, meine Berufung gefunden zu haben.

Eine interessantere und schönere Aufgabe kann ich mir - mag das auch oft anstrengend und nicht einfach sein - nicht mehr vorstellen.

Ich wünsche Ihnen, das auch Sie Ihre Aufgabe/n und damit hoffentlich auch Ihre Berufung in Ihrem Leben (wieder/neu) finden und begreifen, dass man auch mit einer Erkrankung an Depressionen ein glückliches, sinnerfülltes, selbstbestimmtes Leben - auch in einer stabilen Partnerschaft - führen kann.
Gerne unterhalte ich mich mit Ihnen darüber, wie auch Sie Ihren eigenen Weg dorthin (wieder-) finden können und stehe Ihnen mit meinem Wissen und Erfahrungen zur Seite.

Olaf Lindenlaub, Webmaster und Gesprächsgruppenleiter SHG Lebensumwege-Erfurt



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